Eine Raum füllende Installation aus Relieftafeln und deren gedruckten Zwischenstufen.
2014 wurde ich eingeladen, an dem internationalen Künstler-Pleinair auf der Burg Beeskow teilzunehmen – ein Projekt, das sich unter dem Titel „Mythos Europa“ mit der künstlerischen Reflexion über Europa als Idee und Kulturraum auseinandersetzte. Es war nicht das erste Mal, dass ich mich mit diesem Thema beschäftigte, aber die Möglichkeit, dies im Dialog mit Künstlerkollegen aus verschiedenen Ländern zu tun, bot eine besondere Tiefe und Intensität.
Die Ausstellung war nicht nur in Beeskow zu sehen, sondern reiste weiter nach Eupen in Belgien und Gorzów in Polen. Dieser grenzüberschreitende Aspekt war ein wesentlicher Teil des Projekts, denn es ging nicht nur um die Werke selbst, sondern auch um die Begegnungen, die Gespräche, die Reibung und die gegenseitige Inspiration. In solchen Projekten zeigt sich immer wieder, wie wichtig Kunst für den kulturellen Austausch ist, besonders in einem komplexen Raum wie Europa.
Mein eigener Beitrag zu diesem Projekt war sowohl physisch als auch konzeptionell intensiv. Ich ließ mich während des Symposiums in eine schwarz gestrichene Holzbox einsperren – ein Akt der Isolation, der zugleich Raum für konzentrierte Arbeit schuf. Drinnen arbeitete ich an Reliefplatten, die ich in dieser geschlossenen Umgebung fertigte. Schließlich sägte ich mich aus der Box heraus, was nicht nur symbolisch für die Überwindung von Grenzen steht, sondern auch für den Prozess der Selbsterneuerung und Befreiung, der Teil des europäischen Mythos ist.
Die fertigen Reliefplatten dienten dann als Grundlage für farbige Handabriebe auf Shojipapier, das ich später auf traditionelle Shojirahmen zog. Bei den Ausstellungen wurden sowohl die originalen Reliefplatten als auch die Handabriebe nebeneinander präsentiert, was dem Betrachter die Möglichkeit gab, den Prozess meiner Arbeit und die Transformation des Materials unmittelbar nachzuvollziehen. In einem Zeitraffer-Video auf YouTube, das während des Symposiums entstand, ist dieser Arbeitsprozess dokumentiert und zeigt meine Interaktion mit der Holzbox, die zu einem zentralen Element meines Beitrags wurde.
In der Ausstellung traf ich auf wunderbare Kollegen wie Rostyslav Voronko, dessen tiefe Emotionalität in seinen Werken mich sehr beeindruckte, oder die deutsche Künstlerin Ulla Walter, deren subtile und poetische Herangehensweise an das Thema Europa mich inspirierte. Auch Stefanie Krings überraschte mit ihren experimentellen und modernen Interpretationen des Themas.
Für mich war die Teilnahme an „Mythos Europa“ nicht nur eine künstlerische Herausforderung, sondern auch eine Möglichkeit, meinen eigenen Platz im europäischen Diskurs zu hinterfragen und zu vertiefen. Die Ausstellung, die 2015 mit einer weiteren Ausgabe fortgesetzt wurde, zeigte einmal mehr, dass Kunst nicht nur ein Spiegel der Gesellschaft, sondern auch ein Werkzeug der Verständigung und Transformation sein kann.
Mehr über das Projekt und die Ausstellung findet sich im Archiv der Sonderausstellungen auf Burg Beeskow.